„Der einfache Weg, bessere Entscheidungen zu treffen“

Die Gewinnerin von MasterChef Schweden über natürliches Leben in der Stadt und das Interesse an der Herkunft unserer Fischprodukte.

Sandra Mastio ist der Beweis dafür, dass man nicht auf dem Land leben muss, um einen natürlichen Lebensstil zu verfolgen. Die Gewinnerin von MasterChef Schweden ist ein Vorbild für nachhaltige Fischereiprodukte. Sie lebt in Malmö, einer postindustriellen Stadt am südlichen Rand von Schweden, die vielen als Schauplatz des Krimi-Dramas „The Bridge“ bekannt ist.

Doch sogar in diesem städtischen Gebiet ist es einfach, sich wild zu fühlen, sagt die 37-Jährige. Eine kurze Radtour bringt sie entweder zum Ozean mit Blick auf die berühmte Brücke, oder zu einem früheren Steinbruch, der inzwischen längst wieder von der Natur zurückerobert wurde und einer großen Vogelschar ein Zuhause bietet.

 

„Alles ist so nah an der Stadt – nur 10 Minuten mit dem Fahrrad entfernt. Es ist einfach herauszukommen und zu atmen“, sagt sie.

Als Köchin geht es für sie aber nicht nur um die Entspannung, wenn sie von der Natur direkt vor ihrer Haustür spricht, sondern natürlich auch ums Essen. Jede Berührung mit der Natur bietet eine Menge von Ernährungsmöglichkeiten: Beeren, Blätter und sogar Äpfel, gepflückt in einem kleinen Park in der Nähe ihres Hauses. „Du musst nicht in den Supermarkt gehen. Es gibt so viel in deiner direkten Umgebung, du musst nur die Augen offenhalten. Schau hin. Probiere einen Bissen.“

Von all den wilden regionalen Produkten, die ihr die Umgebung bietet, ist Mastio am meisten von der Unterwasserwelt begeistert. Die Ozeane sind ein wahrer Vorratsschrank gefüllt mit Schätzen aus der Tiefsee, sagt sie. Fische, Krustentiere und Algen, alle natürlich gewachsen und mit intensivem Geschmack; alle dazu da, mit Genuss verzehrt zu werden, solange wir es nachhaltig tun.



„Ich bin nur eine Besucherin. Der Ozean ist nicht mein natürlicher Lebensraum. Er ist riesig und wild, fast ursprünglich, und ich sehe es als meine Pflicht an, ihn so zu belassen. Ich will, dass meine Kinder und deren Kinder den Ozean so erleben können, wie ich es tue – in ihm zu schwimmen und aus ihm zu essen. Also ist es am besten, wenn ich ihn so hinterlasse, wie ich ihn vorgefunden habe.“

Nachhaltige Entscheidungen treffen

Seitdem sie die Fernsehsendung MasterChef 2015 gewonnen hat, hat sie sich unermüdlich für die Ozeane eingesetzt. Sie hat sich mit dem MSC zusammengetan und ist zum Seafood Ambassador geworden. In dieser Funktion hält sie Vorträge, führt Kochveranstaltungen durch und besucht Schulen. So hilft sie Menschen dabei, bewusste Entscheidungen darüber zu treffen, was sie essen und warum sie es tun. Sie hat regelmäßige Auftritte in der TV4-Sendung „The Kitchen“, wo sie mit ihren Gerichten Menschen inspiriert. Außerdem hat sie eine Reihe kurzer Videos gemacht, um einfache, billige und nachhaltige Rezepte vorzuführen, die jeder zu Hause nachkochen kann.

Diese Möglichkeit des Auswählens ist für Mastio persönlich sehr wichtig. Aufgewachsen in einer rauen Gegend, war ihr Leben nicht immer einfach und auf die Herkunft von Lebensmitteln wurde kein großer Wert gelegt. „Es gab keine bewussten Entscheidungen“, sagt sie. „Es war ein Leben von einem Tag zum nächsten.“ Sie „verpasste es beinahe, ein schönes und gutes Leben zu haben“, als sie im Alter von 18 Jahren die Schule verließ und einen Bürojob annahm.

Hätte sie nicht knapp 10 Jahre später eine Erleuchtung gehabt, hätte sie leicht dort bleiben können. Während ihrer ersten Schwangerschaft fing sie an darüber nachzudenken, was sie ihrem Körper gab und warum. Sie strich verarbeitete Lebensmittel komplett vom Speiseplan und begann, mit lokalen, frischen Produkten zu kochen. Gesundheitliche Probleme, die sie seit ihrer Kindheit plagten, verschwanden fast von einem Tag auf den anderen.

„Mein Leben wurde 20 Jahre lang von meinem Magen diktiert, doch plötzlich war das nicht mehr der Fall, nur indem ich kontrollierte, was ich aß. Das war eine Offenbarung für mich.“

Wahre Berufung

Ihr Interesse am Essen wurde immer größer und einige Jahre nach der Geburt ihres zweiten Kindes bewarb sie sich auf Drängen ihrer Freunde für MasterChef. Nur Wochen nachdem das Finale im April 2015 ausgestrahlt wurde, kündigte Mastio ihren Bürojob. Das hat sie keine einzige Minute bereut.

Mastio spricht mit der Eloquenz und Begeisterung eines Menschen, der seine wahre Berufung im Leben gefunden hat und hat die seltene Begabung in einer Sprache witzig zu sein, die nicht ihre Muttersprache ist. Und dann gibt es noch ihre Geheimwaffe: man kann sich in ihr sehr gut selbst wieder erkennen. Ihre Kindheit und Jugend zeigen, dass sie weiß, wie es ist, wenn man kämpfen muss, um über die Runden zu kommen und sie hat eine Mission – sie will beweisen, dass bewusste Entscheidungen über den Kauf von Fischereiprodukten nicht auf Kosten der Erde gehen müssen.

„Ich würde niemals jemandem vorschreiben, ausschließlich ökologische Produkte zu kaufen, denn jeder lebt unter anderen Bedingungen. Darin liegt der Reiz des MSC: er hilft dabei, Entscheidungen unabhängig von deiner Situation zutreffen. Eine Dose Thunfisch ist immer günstig, ob mit MSC-Siegel oder nicht. Aber der MSC bietet einen einfachen Weg, eine bessere und nachhaltigere Wahl zutreffen.“

Einfachheit, Nachhaltigkeit, Zufriedenheit

In erster Linie glaubt Mastio, dass es bei gutem Essen vor allem um Einfachheit geht und dabei ist Nachhaltigkeit für sie ein zentraler Punkt. Für sie sollten Fischereiprodukte immer natürlich und verantwortungsbewusst gefangen werden. „Es muss möglich sein, mit einem reinen Gewissen zu genießen,“ sagt sie, „sonst schmeckt es nicht.“

Diese Philosophie des Essens ist ebenso von der nordischen Küste wie von der Familie ihres italienischen Ehemannes geprägt. Mastio findet die italienische Einstellung zum Essen sehr ansprechend, denn die Zutaten stehen immer im Mittelpunkt. Als wir uns unterhielten, kam sie gerade aus Italien zurück und ist kurz davor, ihr neuestes Kochbuch „Pizza by Mastio“ zu veröffentlichen.

Es ist nicht besonders schwer, diese Einflüsse in Mastios Art, Skrei zu kochen, wiederzufinden. Sie bereitet ihren Lieblingsfisch zu, indem sie ein Filet in  Salzlake und Zucker mariniert, bevor sie es mit brauner Butter übergießt und mit sautiertem Gemüse, einer Zitronenscheibe und einer Prise Salz serviert.

„Es geht darum, sanft die natürlichen Geschmacksnoten einfacher Produkte zu unterstreichen“, sagt sie. „Man muss herausfinden, was diesen Geschmack zum Vorschein bringt und verfeinert. Das ist die Herausforderung, aber auch der Spaß an der Sache.“

Mastio wird die Gelegenheit haben, ihre Philosophie in die Tat umzusetzen, wenn sie später in diesem Jahr ihr erstes eigenes Restaurant „MASTIO“ eröffnet. Sie verspricht ein regelmäßig wechselndes, saisonales Menü anzubieten. Dafür will sie die besten Produkte verwenden, die sie am Kai eines kleinen Fischerhafens bekommen kann. Man kann Bootsladungen von Meeresfrüchte-Toppings und aufregende neue Kombinationen erwarten. „Vielleicht mache ich eine Herings-Pizza“, witzelt sie.

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